Ich habe keine Energie – Was ist mit mir los?

Haben Sie sich jemals über scheinbar unerklärliche Veränderungen in Ihren Energieniveau oder ihrer Stimmung zu verschiedenen Stunden des Tages gewundert? Es gibt viele Faktoren, die unsere Energie und Stimmung beeinflussen können.

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Das Zuckerniveau im Blut, Schwankungen von Hormonen oder im Gehirnstoffwechsel – all das trägt zum Energielevel und zur Stimmung bei. Die Traditionelle Chinesische Medizin hat einen anderen Ansatz zur Erklärung dieser Empfindungen. Erklärt wird es mit der chinesischen Organuhr.

Jahrhunderte lange Beobachtung

Die Traditionelle Chinesische Medizin, kurz als TCM bezeichnet, geht davon aus, dass zu jedem Organ bestimmte Stunden des Tages gehören. Damit wird eine Hochleistungszeit dieses Organs bezeichnet, an dem während dieser Zeit besonders viel Qi, sprich Energie durch das Organ und seinen mit ihm verbundenen Meridian fliesst.

Es ist wichtig zu beachten, dass die Betrachtung der Organe zwischen traditioneller chinesischer und westlicher Medizin unterschiedlich ist. Die Beschreibung der Organe in der TCM beruht auf der Grundlage jahrhundertelanger Beobachtungen und praktischer Erfahrungen, statt auf der Basis von westlicher beweisorientierter Naturwissenschaft.

Daher unterscheiden sich Funktionen teilweise, die TCM-Forscher jeden Organ zugeschrieben haben, von denen, die in der westlichen Medizin von einem Organ erwartet werden. So verknüpfen TCM-Forscher bestimmte Emotionen mit den Organen. Diese spezifischen Emotionen können eine bestimmte Organfunktion behindern oder unterstützen.

Die chinesische Körper-Takt-Theorie lehrt, dass jeder organgebundene Meridian eine „Spitzenzeit“ an Energie (Qi) von zwei Stunden in jedem 24-Stunden-Zyklus hat. In diesen zwei Stunden werden dieser Meridian und das entsprechende Organ mit besonders viel Energie versorgt.

Müde und Schlapp Was tun

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Welche Organe und Emotionen verbindet die TCM und zu welcher Stunde des Tages ?

5.00 – 7.00 Uhr: Dickdarm
Von 5 .00 bis 7.00 Uhr morgens ist die Hochleistungszeit des Dickdarms, wenn sich Blut und Qi konzentriert im Dickdarm bewegen. Der Dickdarm ist verantwortlich für unseren Stuhlgang. So ist es vielleicht nicht verwunderlich, dass der erste Weg vieler Menschen am Morgen zur Toilette führt, eine optimale Zeit aus Sicht der TCM.

Entsprechend der TCM ist es vorteilhaft, Ihren Darm auf einen morgendlichen Stuhlgang zu trainieren. Es ist die Zeit für den Darm, die eine effiziente Möglichkeit zur Beseitigung von Abfällen bildet.

Emotionen, die dem Dickdarm zugeordnet werden, sind „in Gefühlen feststecken“ oder ein allgemeines Gefühl von Kummer, dass sich körperlich als Verstopfung zeigen kann.

Wenn in dieser Zeit gelassen und friedlich ist, kann aktuell mit sich im Reinen sein und nichts haben, das losgelassen werden muss.

Mürrisch zu sein in diesen Stunden, aber auch den Tag so zu durchleben, kann darauf hinweisen, dass im Moment etwas feststeckt, das traurig oder frustriert macht.

7.00 – 9.00 Uhr: Magen
Das ist die Hochleistungszeit für den Magen und der optimale Zeitraum für die Verdauung. Es ist die perfekte Zeit um zu frühstücken und viel Energie zu laden.

Der Magen ist mit dem Gefühl der Sorge verknüpft. Körperliche Symptome oder Emotionen vor allem in dieser Zeit können ihren Ursprung im Magen haben. Andersherum kann in dieser Zeit der Magen und seine Verdauungsfunktion besonders gut beeinflusst werden.

9.00 – 11.00 Uhr: Milz
Die TCM sieht in der Milz ein wichtiges Verdauungsorgan, das eng mit dem Magen verbunden ist. Das Frühstück und seine Verdauung kann sich also durchaus noch auf diese Zeit erstrecken und wird aus Sicht der TCM noch immer als „gutes Timing“ angesehen.

Wie der Magen ist die Milz mit dem Gefühl der Sorge, aber auch der Überarbeitung, zu vielem Nachdenken und einer übermässigen geistigen Anstrengung verbunden.

Bei körperlichen Problemen in diesen Stunden, sollte an die Milz gedacht werden. Allerdings sollte bei Verdauungsproblemen, die generell im Laufe des Tages auftreten an geistige Ermüdung oder Grübeln gedacht werden, die laut der TCM der Milz zugeordnet werden.

11.00 – 13.00 Uhr: Herz
Die Emotionen des Herzens sind Freude und Begeisterung. Das bedeutet, dass das Herz nach Sicht der TCM durch diese Emotionen gestärkt und durch entsprechende Gegensätze belastet wird. Körperliche Probleme zu diesem Zeitpunkt, wie Schmerzen, Unpässlichkeiten, oder Energietiefs, können durch Blockaden des Herzgefühls Freude entstehen.

Aus Sicht der TCM hat das Herz eine Abneigung gegen Hitze. Es ist daher interessant, dass in vielen heissen Mittelmeerländern eine Siesta zu dieser Zeit eingehalten wird. Es ist, als folgten sie der natürlichen Neigung des Herzens, Hitze zu vermeiden, wie sie auch die TCM empfiehlt und eine Erholungspause einzulegen, die nicht nur dem Herzen gut tut. Aus dem gleichen Grund werden Läufe und Jogging zum Aufwärmen während dieser Zeit nicht empfohlen.

13.00 – 15.00 Uhr: Dünndarm
Der Dünndarm ist aus chinesischer Sicht eng mit dem Herzen verbunden und so profitiert er auch in seiner Hochleistungszeit von einer Ruhephase des Körpers um zu verarbeiten. Denn der Dünndarm ist lt. der TCM unser Entscheidungsorgan, sowohl körperlich, in Form von behalten oder ausscheiden, wie auch geistig. Sind wir damit im Klaren unterstützt er das sonnige Gemüt, das zum Herzen gehört.

15.00 – 17.00 Uhr: Blase
Während der Zeit der Blase wird entsprechend viel Urin ausgeschieden. Es ist eine Reinigung. Um die Blase zu unterstützen sollte (aber nicht nur in dieser Zeit) Kräutertee und Wasser getrunken werden. Salzige Lebensmittel stärken die Blase. So wäre das Trinken einer Tasse schmackhafter Miso-Suppe zu dieser Zeit ebenso vorteilhaft.

Körperliche Symptome während dieser Zeit oder Stimmungen wie Befürchtungen können auf die Blase zurückzuführen sein, die eng mit den Nieren und ihren Meridian verbunden ist.

17.00 – 19.00 Uhr: Nieren
Die Nieren sind das Organsystem, das am stärksten mit der Angst verbunden ist. Körperliche Manifestationen, nicht nur in dieser Zeit, können sich darauf beziehen. Es ist wichtig daran zu denken, dass Angst die Emotion ist, die uns vorsichtig macht und uns am Leben erhält. Zuviel Angst kann jedoch mit einer Disharmonie der Nieren zu tun haben.

Die Niere ist ebenso eng mit Willenskraft, Gefühlen der Unnahbarkeit und Isolation verbunden. Wenn wir uns kraftlos und ängstlich fühlen, dann ist dieser Zeitraum wichtig um in Ruhe Kraft für die Nieren und unser tiefstes Inneres zu schöpfen.
Wie die Blase wird auch die Niere durch salzige Nahrung gestärkt, aber stets in geregelten Mengen.

19.00 – 21.00 Uhr: Perikard
Das Perikard, der Herzbeutel, ist im westlichen weniger bedeutend und kein Organ im eigentlichen Sinne. Aus Sicht der TCM haben das Perikard und sein Meridian u. a. einen regulierenden Einfluss auf den Kreislauf, die Durchblutung und damit auf unser Wohlbefinden. Einige Quellen verbinden damit eine gute Zeit für die „Fortpflanzung“.

Diese Zeit sollte für Ruhe und Entspannung genutzt werden. Körperliche Symptome und Unruhe können auf ein Ungleichgewicht und zu viel Stress hinweisen. Mit seiner Nähe zum Herzen spiegelt der Meridian Freude und Wohlbefinden, wenn er ausgeglichen ist.

21.00 – 23.00 Uhr: Dreifacher Erwärmer
Der Meridian des dreifachen Erwärmers wird keinem Organ zugeordnet. Vielmehr koordiniert er Organsysteme im unteren, mittleren und oberen Körperbereich miteinander. Er gilt ebenso als Energielaufbahn des menschlichen Ursprungs-Qi.

Westlich gesehen hat er einen Einfluss auf das autonome Nervensystem, das hormonelle System und den menschlichen Wärmehaushalt. Gestärkt werden kann der Meridian und seine Funktion durch Entspannung und Schlaf. Wer zu dieser Zeit noch nicht zur Ruhe kommt, sollte bei einer gesundheitlichen Erkrankung nicht auf ein Organ fixiert sein.

23.00 – 1.00 Uhr: Gallenblase
Die Gallenblase ist mit Mut und einen weisen Urteil verbunden. Gesundheitliche Störungen und Symptome, die sich in diesen Stunden zeigen und einen den Schlaf rauben, können auf Zögerlichkeit, Unentschlossenheit oder zu schnelle Entscheidungen und Schüchternheit zurück zu führen sein.

Bei wiederholten Schlafstörungen kann es empfehlenswert sein, sich zu fragen, was wir aufschieben und noch nicht erledigt haben. Ansonsten kann der Gallenfluss leiden und wir werden tagsüber ungeniessbar wie die nicht fliessende Galle.

1.00 – 3.00 Uhr: Leber
Da die Gallenblase auf einen der Leber verwandten Meridian verläuft, ist die Leber bereits ab 23.00 Uhr stärker aktiv. Die Spitzenzeit findet jedoch zwischen 1.00 und 3. Uhr statt.

Die Leber ist wichtig für die Entgiftung von Toxinen und sie klärt und reinigt nach Ansicht der TCM auch unsere Gefühle. Bei den Emotionen, die am stärksten mit der Leber verbunden sind, handelt es sich um Wut, sowie Frustration, Zorn und Ressentiments. Es ist eine gute Idee, in diesen Stunden zu schlafen, um eine maximale Energie für die Entgiftung bereit zu stellen. Dies ist auch eine Erklärung, warum eine frühe Nachtruhe so viel wie ein gesunder Körper und Geist bedeutet.

Interessant kann es sein, wenn Sie während der Leberphase zwischen 1 Uhr und 3 Uhr aufwachen, oder falls Sie noch wach sind, nicht einschlafen können. Es kann mit latentem Zorn oder Frustration verbunden sein. Überwältigt von der Entgiftung raubt die Leber Ihnen den Schlaf.

3.00 – 5.00 Uhr: Lunge
Dies ist die beste Zeit die Lunge zu stärken, um mit einer starken Stimme zu sprechen und viel Energie für den kommenden Tag zu haben.

Die Lungen regeln die Stimme, die Atemwege, den Schweiss, die Hautgesundheit und das Immunsystem. So ist das Aufladen der Lunge mit Schlaf besonders wichtig, wenn Sie Probleme mit einem dieser Bereiche haben.

Wenn Sie sich selbst ohne offensichtlichen Grund während der Lungenzeit aufwachen, kann es mit Trauer zu tun haben der Hauptemotion der Lunge. Das ist keineswegs ungewöhnlich,

Trauer hat auch eine reinigende Wirkung, dem ein Neuanfang folgen sollte. Wenn wir traurig sind, verarbeiten wir etwas. Wenn wir in der Trauer verhaften, dann brauchen wir Hilfe. Wenn das Trauergefühl zu dieser Zeit anhält, dann sollten sie sich fragen, was die Trauer verursacht, ob organisch oder psychisch.

Ein ruhiger tiefer Schlaf in diesen Stunden weist auf kräftige Lungen und eine starke Stimme im Leben hin.

Übereinstimmung mit Emotionen und Handlungen

Die Art und Weise wie mit der chinesischen Organuhr der menschliche Körper betrachtet wird, klingt oft merkwürdig und vielleicht unlogisch für westliche Ohren. Aber es ist faszinierend, wie oft diese Theorien dann doch mit unserem Fühlen und Handeln übereinstimmen.

Interessant zu berücksichtigen ist, dass die chinesische Medizin bis zu 350 v. Chr. zurückreicht. Trotz ihrer wenigen wissenschaftlichen Belege, hat sie sich durch die vielen, vielen Jahrhunderte hindurch erhalten. Ist da die Frage nicht berechtigt, aus welchen Gründen die Lehren der chinesischen Medizin all diese Jahre überlebt haben?